Hallo Schweiz!

Eigentlich hatte ich die Hoffnung schon aufgegeben – aber er kam noch Anfang Juli – mein heuriger »In die Schweiz fliegen« Tag. Heuer habe ich dementsprechende Tage schon verschlafen und so war ich sehr froh, dass sich in den Prognosen noch einmal Hammerwetter ankündigte. Die Alpthermprognose war phänomenal – auch im Graubünden noch »Gut« – das könnte vielleicht ja was für den Oberalppass werden! Andy Haider hatte leider schon den Blanix Transfer nach Fiss ausgemacht – dort sollte ich dann auch an diesem Tag vorbeikommen.

So war ich dann wieder einmal alleine auf mich gestellt. Zu zweit zu fliegen bringt einige Vorteile mit sich, man kann sich gegenseitig gut motivieren und vor allem in schwierigen Gebieten kann man zu zweit einfach effektiver fliegen. Da Andy aber seit heuer einen Ventus fliegt ist das Leistungsloch jetzt schon sehr groß geworden – mit Janus, LS3 und ASW20 konnte ich noch gut mithalten, der Ventus gleitet aber doch viel besser – vor allem bei richtig gutem Wetter ist Andy zumeist ca. 10kmh schneller.

Start um 10:00 Uhr lokal, sehr tiefe Entwicklungen gabs schon ab 9:00 Uhr. Sobald die Basis den Grimminggipfel übersteigt ist es meistens dann hoch genug um vernünftig Richtung Westen fliegen zu können. Schon nach dem Ausklinken wird mir klar: Es wird kein einfacher Tag. 18km/h Nordwestwind im Mittel waren auf der Windanzeige. Und das hat sich dann auch gleich bemerkbar gemacht, direkt nach dem Ausklinken konnte ich keinen richtigen Aufwind auskreisen. So ging es dann tief Richtung Westen – der Gegenwind bzw. Nordwestwind ist einfach am Hauptkamm entlang immer sehr störend, man muss fast an jedem Grat kurbeln und mit dem Gleitwinkel der Clubklasse immer wieder anstrengend, da man einfach sehr viel Höhe verliert. Hier hat man mit einem Langohr großen Vorteil.

Bis zum Kitzsteinhorn ging es dann immer mit Bärten zwischen 1 und 1,5m dahin, insgesamt brauchte ich für die ersten 100km fast 2 Stunden, was einem 50er Schnitt entsprach. Ab dem Kitzsteinhorn dann Basissprung um über 500m. Ab da fing der Tag trotz Gegenwind an langsam besser zu werden. Am Brenner bei Steinach gings dann das erste Mal mit Freigabe auf über 4000m hinauf. Mit dieser Höhe bin ich dann sehr effektiv bis ins Ötztal geglitten und die Verhältnisse wurden immer besser.

Von hier konnte man dann das erste Mal ins Engadin blicken – dort hohe Wolken zu sehen – traumhafte Verhältnisse voraus! Am Reschenpass dann nochmal richtig hoch aufgekurbelt und dann aber in eine Leefalle im Engadin getappt – zum Glück konnte ich dann in den Bergen im Engadin sofort wieder einfädeln. Dort gings das erste Mal auf über 4200m – ein Hochgenuß bei dieser unglaublichen Landschaft und eine solche Basishöhe gibt eine gewisse Sicherheit, da der Talboden im Engadin schon auf ca. 1500m liegt. Weiter gings in komfortabler Höhe über Zernetz direkt ins – zum Glück nicht aktive Sperrgebiet bei Zernetz.

Die Linie über den Fuelapass sah auch ganz gut aus, Basis über Davos aber um ca. 500m tiefer. So hab ich mich für die Linie über den Albulapass entschieden, zu dieser Uhrzeit stehen auf der Westseite des Engadins meist die stärksten Aufwinde des Tages – so auch heute, kurz vor Samedan hab ich knappe 5m zentriert. Weiterflug dann Richtung Thusis, hab aber dann zu meiner vorgenommenen Umkehrzeit (15:30 lokal bei 360km) von zu Hause umgedreht, leider eine halbe Stunde zu spät für einen Weiterflug in Richtung Oberalppass. Schnittgeschwindigkeit bis zur Wende 67km/h – um 10km/h zu langsam für meinen Zeitplan zum Oberalppass.

Nichts desto trotz hab ich mich sehr gefreut doch noch so weit in die Schweiz zu fliegen. So wollt ich unbedingt heimkommen – dies war auch auf der gleichen Route bis ins Zillertal ganz einfach. Dann ging aber der Kampf los – absinkende Basis zwischen Gerlos und Zell am See und so hab ich richtig zurückgeschalten und hab alles gekurbelt was ich bekommen hab. Bei Zell am See hat mich dann eine Abschattung eingeholt und so konnte ich im Raurisertal einfach keine Thermik mehr erwischen. So bin ich wieder zurückgeflogen – Zell am See war in super Reichweite.

Glück gehabt, einen Meter noch ausgekurbelt – Radstadt geht sich aus. Dann bin ich die Hänge entlang Richtung Radstadt geflogen – es war jetzt schon richtig spät und ich hoffte auf einsetzende Abendthermik. In Radstadt war ich dann schon sehr tief und hab mich nochmal ausgegraben – Endanflug zu meiner Wiese in Haus geht sich aus. Also weiter. Direkt über der Wiese in Haus nochmal 300m gemacht – es geht sich aus nach Niederöblarn.

Dort hab ich dann nichts mehr erwischt – Papa war aber schon mit dem Anhänger am Flugplatz und die Libelle war schnell abgerüstet – passte mir auch gut, ich hab nämlich bemerkt, dass der linke Wassersack etwas rinnt. Am Ende standen dann 720km auf dem Zähler, ein toller Flug bei störendem NW Wind bis in die Schweiz – ich bin sehr happy darüber!

 

Die Alptherm-Prognose war fast schon zu gut um wahr zu sein.

Die Windprognose von TopMeteo für FL90 – hat auch super gepasst – im Westen war dann doch etwas mehr Wind als vorausgesagt.

Mein Flugweg und Barogramm – man erkennt gut den Kampf ab der Gerlos und die Rückgehende Schnittgeschwindigkeit zum Ende

Blick ins Fuschertal – ein Flug im Süden wäre im Nachhinein betrachtet besser gewesen!

Vorbei am Kitzsteinhorn und dem leider nurmehr mickrigen Gletscher auf dem Weg zum ersten guten Bart des Tages.

Der König der Hohen Tauern.

Blick Richtung Westen und Großvenediger. Hinten rechts kann man schon die ansteigende Basis in Mayrhofen und Brenner erkennen.

Ab hier gings dann so richtig gut – Oberinntal

Rechts das Oberengadin – Blick Richtung Graubünden

Querung des Engadins, Blick Richtung Berninagruppe

Samedan und dahinter St. Moritz und Silvaplanersee

Über dem Albulapass mit Blick ins Vorderrheintal weiter hinten.

Super Entwicklungen über dem Albulapass

Wendepunkt querab Lenzerhorn (im Bild ganz links) 15:30 lokal

Wieder zurück im Engadin – da vorne sieht man schon den Reschenpass

Absinkende Basis im Vinschgau

Der letzte Teil des Fluges – aufkurbeln in der Abendthermik in Radstadt und dann von Wiese zu Wiese bis nach LOGO.

2 comments

  • Whow, Simon. Möchte mit meiner Libelle nur halb so gut fliegen können wie Du. Meine Hochachtung. Bist ein grosses Vorbild der Libellen Gemeinde.

    Liebe Grüsse aus der Schweiz, Ruedi D4

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